Karnak Tempel

26.01.2022 06:58:33

Die Karnak-Tempel liegen als größte Tempelanlage von Ägypten in Karnak, einem Dorf etwa 2,5 Kilometer nördlich von Luxor und direkt am östlichen Nilufer. Die ältesten heute noch sichtbaren Baureste des Tempels stammen aus der 12. Dynastie unter Sesostris I. Bis in die römische Kaiserzeit wurde die Tempelanlage immer wieder erweitert und umgebaut.

Die Tempelanlage steht seit 1979 zusammen mit dem Luxor-Tempel und der thebanischen Nekropole auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO.

Die Tempelanlage

Herausragend unter den Ruinen sind der Tempel des Amun-Re mit seinen insgesamt zehn Pylonen, deren größter ca. 113 Meter breit und ca. 15 Meter dick ist und eine geplante Höhe von ca. 45 Meter aufweist. Die Gesamtfläche des Tempels beträgt ca. 30 Hektar (530, 515, 530 und 610 Meter Seitenlänge). Neben den Pylonen ist die große Säulenhalle, die von Haremhab begonnen und unter Sethos I. und Ramses II. vollendet wurde, besonders beeindruckend.

Die Tempelanlage besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen, dem Bezirk des Amun (altägyptisch Ipet-sut, „Ort der Erwählung“), dem Bezirk des Month (150 × 156 Meter, Gesamtfläche 2,34 Hektar) und dem Bezirk der Mut (405, 275, 295 und 250 Meter Seitenlänge, Gesamtfläche ca. 9,2 Hektar). Neben diesen drei großen Tempel Bezirken gibt es noch den Aton-Tempel, das Gem-pa-Aton, dass Echnaton im sechsten Jahr seiner Regierungszeit in Karnak erbauen ließ. In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 Sphingen gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete am 10. Pylon des Tempels.

Zweck der Tempelanlage

Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde, wo die Amun-Priesterschaft den täglichen Tempeldienst ausübte. Auch für die Gattin des Amun, die Göttin Mut, und für ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet; zusammen bildeten sie die Triade von Theben. Neben diesen drei Göttern wurde auch dem Gott Month, der noch in der 11. Dynastie der Hauptgott von Theben war, ein Tempel geweiht.

Oberteil des Obelisken Hatschepsuts am Heiligen See

In der altägyptischen Glaubenswelt besteht das Prinzip der kosmologischen Ordnung, dieses Prinzip wird als Maat bezeichnet. Da die Maat kein unveränderlicher Zustand ist und von den Menschen aus dem Gleichgewicht geworfen werden kann, ist es wichtig, diesen Zustand zu erhalten, um Chaos und Vernichtung von der Welt fernzuhalten. Ein ägyptischer Tempel stellt ein Modell der Welt dar. Eine der obersten Pflichten des Königs war es daher, das Gleichgewicht der Maat zu erhalten. Dieses geschah im heiligsten Bereich des Tempels. Im Tempel wurden heilige Kulthandlungen (Opferdarbietungen, Gebete und Gesänge) durch den König oder den ihn vertretenden Hohepriester durchgeführt.

Baugeschichte

Der früheste Beleg für einen Amun-Kult in Theben stammt aus dem Mittleren Reich. Es handelt sich um eine achteckige Säule Antef II., die sich heute im Museum von Luxor befindet. Die ältesten heute noch sichtbaren Baureste stammen aus der Zeit Sesostris I. Im Neuen Reich gab es rege Bautätigkeiten und die Tempelanlage erreichte bald enorme Ausmaße. Auch in der Spät- und Griechisch-römischen Zeit wurde noch am Tempel gebaut.

Bezirke der Tempelanlage von Karnak

Bezirk des Amun

Amun-Re-Tempel in Karnak

Der größte Bereich der Anlage ist der Bezirk des Amun. Er beherbergt den großen Tempel des Amun-Re, den Tempel des Chons, das Barkenheiligtum Ramses III., einen Tempel der Ipet, und ein kleines Heiligtum des Ptah sowie den Tempel des Amenhotep II.

Tempel des Amun-Re

Der Tempel des Amun-Re, auch Reichstempel genannt, ist der größte ägyptische Tempel mit insgesamt zehn Pylonen. Es handelt sich nicht um einen Tempel im klassischen Sinn, sondern um eine Ansammlung verschiedener aneinander gebauter Sakralbauten. Dabei wurden verschiedene Tempelteile wieder abgerissen und deren Baumaterial in anderen Teilen wiederverwendet. Lediglich das Zentrum des Tempels, vom heute vierten Pylon bis zum Ach-menu, als besonders heiliger Bereich blieb unangetastet.

Der Tempel

Westseite des Tempels

Mit seinen insgesamt zehn Pylonen, der größte ca. 113 Meter breit und ca. 15 Meter dick bei einer geplanten Höhe von ca. 45 Metern, und einer Gesamtfläche von ca. 30 Hektar (530, 515, 530 und 610 Meter Seitenlänge) ist der Tempel des Amun-Re der größte Tempel Ägyptens. Er enthielt neben dem Tempel des Amun-Re noch den Tempel des Chons, den Tempel der Opet, den Tempel des Ptah, den Tempel des Amenhotep II. und verschiedene Stationskapellen für die Götterbarke, wie die Weiße Kapelle und die Rote Kapelle.

In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 Sphingen gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 2,5 km entfernten Luxor-Tempel. Diese Straße endete am 10. Pylon des Tempels.

Ehemalige Hafenanlage

Eine weitere Sphingenallee mit zwei Reihen zu 66 Sphingen verbindet den Amun-Tempel mit dem Mut-Bezirk. An nordwestlicher Seite befindet sich ein Nilhafen, mit dem die Gottesstatue das Westufer besuchen konnte. Hinter dem Eingangspylon öffnet sich der Tempel zu einem großen Hof. Dahinter schließt sich der Säulensaal (Hypostyl) an. In Fortsetzung der Achse kommt man zum Allerheiligsten. Diese Bereiche waren überdacht. Der Tempel war außerdem so konstruiert, dass der Boden in Richtung des Allerheiligsten ansteigend und das Dach abfallend war. Der Säulensaal hinter dem Hof gehört zu den bedeutendsten Bauwerken, die aus ägyptischer Zeit erhalten sind.

Viele Teile sind durch die Zeit oder von den Pharaonen selber im Rahmen einer damnatio memoriae („Verdammung des Andenkens“) zerstört worden. Selbst heute, mit ausgebleichten Ruinen, bildet der Karnak-Tempel einen überwältigenden Anblick.

II. Pylon

2. Pylon (Westseite)

Der von Haremhab erbaute 2. Pylon bildete vom Ende der 18. Dynastie bis zur Zeit von Nektanebos I. die Eingangsfront des Tempels. Seit Beginn der 18. Dynastie befand sich an der Stelle ein als Anlegestelle dienendes Hafenbecken, das Haremhab zuschütten und weiter westlich neu anlegen ließ. Die beiden einst 14 Meter starken und 35 Meter hohen Pylontürme sind nur bis zur Hälfte ihrer Höhe erhalten geblieben. Für den Bau wurden Blöcke der abgerissenen Aton-Tempel von Pharao Echnaton (z. B. Gem-pa-Aton) als Füllmaterial verwendet.

Von Pinudjem I. usurpierte Statue Ramses’ II. mit seiner Tochter Meritamun

Vor dem Eingangsbereich standen zwei monumentale Statuen aus Granit, von denen allein die südliche vollständig erhalten ist. Sie zeigt den König mit der Doppelkrone in Schreitpose. Von der anderen existiert nur der Sockel mit den Füßen. Im Innern des Tordurchgangs standen zwei Götterstatuen. Henri Chevrier entdeckte 1954 bei Aufräumarbeiten am eingestürzten Nordflügel sämtliche Bruchstücke einer Kolossalstatue aus Rosengranit. Die 13 Meter hohe Statue wurde wieder aufgerichtet und zeigt wahrscheinlich Ramses II., zwischen dessen Beinen seine Tochtergemahlin Meritamun steht.

IV. und V. Pylon

Die Gesamtansicht des Tempels wurde nach dem Mittleren Reich erstmals durch die Thutmosiden radikal verändert. Thutmosis I. ließ, um eine neue Eingangssituation zu schaffen, den IV. und V. Pylon in der O-W Achse anlegen. Dazwischen befand sich ein Hypostyl, dessen Holzdecke von Papyrusbündelsäulen, die mit Elektron verkleidet waren, getragen wurde.[4]

Diese Konstruktion wurde von seiner Tochter Hatschepsut wieder aufgehoben, als sie ihre zwei Obelisken zwischen den IV. und V. Pylon aufstellen ließ und damit die Holzdecke durchbrechen musste. Mit einer Höhe von 32 Metern sind es die größten Obelisken, die in Ägypten jemals aufgestellt wurden. Ihre Spitzen waren mit Elektron versehen, nach antiken Quellen waren sie sogar komplett mit Elektron überzogen.[5] Doch nur einer von ihnen steht noch an seinem Platz, während der andere in mehrere Einzelteile zerbrochen ist; den Rest kann man heute nahe dem Heiligen See besichtigen.

VII. Pylon

Thutmosis III. entschloss sich die Prozessionsachse in Richtung Süden zu drehen und ließ den VII. Pylon in Richtung Mut-Heiligtum errichten. Es bestand aus einem ca. 13 m hohen Granitportal vor dem beidseitig Kolossalfiguren des Königs aufgestellt waren, die auf den Sockeln Namen besiegter Völker (im Osten: Asiaten, im Westen: Afrikaner) aufwiesen. Davor waren 2 große Obelisken aufgestellt, von denen aber nur noch ein Sockel vor Ort sichtbar ist, da der andere 357 n. Chr. von Kaiser Konstantin II. nach Konstantinopel abtransportiert wurden. Sogar der Erddamm, der zum Abtransport errichtet wurde, ist heute noch sichtbar. Es konnte auch festgestellt werden, dass es sich bei der Gestaltung des VII. Pylon um eine Kopie des IV. Pylon handelt, sodass man in Haupt- und Nebenachse dieselben Darstellungen vorfand (genauso in den Tordurchgängen → Jubiläum des Königs).

VIII. Pylon

8. Pylon

Schon unter Hatschepsut war der VIII. Pylon errichtet worden, der wahrscheinlich einen älteren Vorgängerbau aus Nilschlammziegeln ersetzte (möglicherweise Amenophis I.). Im unteren Bereich war er von einer niedrigen Kalksteinmauer umgeben.

Reliefschmuck:

Innenfassade (Ostseite): Thutmosis I. dankt Amun für die Inthronisierung seiner Tochter Hatschepsut (Inschriften sind ausgehackt, Name der Hatschepsut durch den Thutmosis II. ersetzt)

Außenfassade: Amenophis II. beim "Erschlagen der Feinde" vor Amun, Hatschesputinschrift größtenteils zerstört

Plastischer Schmuck vor dem Pylon

Es ist anzunehmen, dass sich ursprünglich sechs Sitzfiguren vor dem Pylon befanden, von denen aber nur die Basen von zwei erhalten sind (Thutmosis II., restauriert von Thutmosis III.). Während von den zwei weiteren Figuren vor dem Ostflügel nichts erhalten geblieben ist, steht vor dem Westflügel noch eine Sitzstatue Amenophis i. (restauriert von Thutmosis III.) und eine fragmentarische von Amenophis II.(restauriert von Thutmosis IV.). Geplant war, dass dieser Pylon der eigentliche Eingang in den Tempel von Süden her wäre, wie auch die Inschriften in den Nischen der Fahnenmasten von Amenophis II. belegen.

Zweck der Tempelanlage

Nach der Erhebung Amun-Res von Theben zum Lokalgott und später zum Reichsgott, begannen die Herrscher des frühen Mittleren Reiches mit dem Bau eines Tempels, der über Jahrtausende hinweg zum heutigen Tempelkomplex erweitert wurde, wo die Amun-Priesterschaft den täglichen Tempeldienst ausübte. Auch für die Gattin des Amun, die Göttin Mut, und für ihren gemeinsamen Sohn Chons wurden Tempel errichtet, zusammen bildeten sie die Triade von Theben.

Baugeschichte

Mittleres Reich

Säulen der großen Hypostyle Halle

Das bisher älteste aufgefundene Bauteil im Amun-Bezirk von Karnak ist eine oktogonale Säule von Antef II. mit der Nennung des Gottes Amun-Re.

Sesostris I. baute den ersten größeren Tempel aus Kalkstein. Er maß 37,4 × 39,6 m und war von einer Umfassungsmauer aus Ziegeln umgeben. An der Front befanden sich Statuenpfeiler, der vordere Teil des Tempels war von Säulenhallen umgeben. Laut Arnold befand sich dort wahrscheinlich ein heiliger Garten. Im hinteren Teil befanden sich drei hintereinander gelegene Kulträume. Innerhalb der Umfassungsmauer gab es mehrere Stationskapellen, darunter die Chapelle blanche (Weiße Kapelle).

Neues Reich

18. Dynastie

Zu Beginn der 18. Dynastie wurde das Kultzentrum des Amun stark ausgebaut, beginnend mit Amenophis I. Thutmosis I. ergänzte Pylon 4 und 5, eine schalenförmige Umfassungsmauer sowie ein 21,8 m hohes Obeliskenpaar. Thutmosis II. baute westlich davon den sogenannten Festhof an. Größere Baumaßnahmen gab es erneut unter Hatschepsut und Thutmosis III.:

Eine größere, mit Türmen befestigte Ziegelmauer.

Ein Vortempel mit Barkensanktuar, der sogenannten Roten Kapelle (Chapelle rouge), die Anfang des 21. Jahrhunderts rekonstruiert wurde, sowie der Annalensaal.

Ein 30,43 m hohes Obeliskenpaar zwischen dem 4. und dem 5. Pylon. Thutmosis III. ließ im Rahmen seiner Damnatio memoriae die Obelisken ummanteln, damit sie nicht mehr sichtbar waren. Paradoxerweise trug dies zur Erhaltung bei.

Zwischen der Roten Kapelle und dem 5. Pylon wurde ein 6. ergänzt.

Ein heiliger See wurde angelegt oder ein bereits existierender See vergrößert.

An der Südachse, Richtung Mut-Bezirk, wurden die riesigen Pylonen 7 und 8 errichtet. Am 7. Pylon ist Hatschepsut mit vier Kolossalstatuen vertreten, am 8. Pylon sind zwei Sitzbilder und ein Paar Obelisken von Thutmosis.

Östlich des Sesostris-Baues errichtete Thutmosis das Achmenu.

An der Prozessionsstraße nach Luxor entstanden sechs Stationskapellen.

Amenophis III. verlängerte die Tempelachse nach Westen und Süden. Er zerstörte zahlreiche kleinere Kapellen und Denkmäler der 12. Dynastie und frühen 18. Dynastie, die sich auf dieser Achse befanden, und verbaute sie im Fundament. Er fügte den 3. Pylon[9] mit acht etwa vierzig Meter hohen Flaggenmasten an. An der südlichen Achse schloss er mit dem 10. Pylon ab, vor dem zwei kolossale Statuen des Pharao aus Quarzit standen. Wahrscheinlich wurde im Rahmen dieses gewaltigen Bauprogramms auch die Prozessionsstraße zum Mut-Tempel und nach Luxor erneuert und mit 60 Sphingen versehen.

In der Amarna-Zeit wurde die kontinuierliche Bebauung unterbrochen. Amenophis IV. (Echnaton) baute zu Beginn seiner Regierungszeit südlich des Amun-Bezirkes ein Aton-Heiligtum (Gem-pa-Aton (Karnak)), das unter Haremhab jedoch zerstört und als Füllmaterial verwendet wurde.

Haremhab baute den 9. und 10. Pylon an der Südachse. Er ergänzte den Amun-Tempel um den 2. Pylon im Westen, der 35 m hoch und 98 m breit war und verwendete hierzu Steine aus dem zerstörten Aton-Heiligtum.

Säulen des Hypostyls

Rekonstruktion der Säulenhalle

Zu den bedeutendsten Bereichen des Tempels zählt der große Säulensaal (Hypostyl), den Haremhab zwischen dem zweiten und dritten Pylon zu bauen begann und der später unter Sethos I. und Ramses II. vollendet wurde. Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite standen einst 134 Papyrussäulen, die das hölzerne Dach des Hypostyls trugen. Im Mittelschiff der Halle waren die Säulen bis zu 22,5 Meter hoch.

Große Säulenhalle im Karnak-Tempel

Die Große Säulenhalle ist der berühmteste und beeindruckendste Teil des Amun-Tempels. Als Sethos I. den Thron bestieg, fand er zwei Reihen von je 6 riesigen Säulen vor, jede 23m hoch und mit einem Umfang von 10 m. Als wären diese nicht beeindruckend genug, erweiterte er den Bau zu einer ganzen Säulenhalle, von der er jedoch nur den nördlichen Teil vollenden konnte. Den südlichen Teil erbaute dann sein Sohn Ramses II. Er war bekannt für seine eigene Philosophie: Je größer und spektakulärer, desto besser. Alle 134 Säulen stehen noch heute in der großen Säulenhalle des Tempels von Karnak. Ursprünglich war die Halle komplett mit Sandsteinblöcken bedeckt. Ein paar „Dachplatten“ sind heute noch vorhanden.

Seit über 100 Jahren wird an der Säulenhalle rekonstruiert. Hier sehen sie eine Rekonstruktion der ursprünglichen Säulenhalle.

An einigen von der Sonne geschützten Unterseiten der Deckenbalken und manchen anderen Stellen kann man noch die alten sehr bunten Bemalungen erkennen.

Die beiden mittleren Säulenreihen sind höher als die restlichen Säulen der Seitenhalle. Der auffälligste Unterschied sind die Formen der Kapitelle. Die Texte und Darstellungen an den Säulen sind zum großen Teil Propaganda.

Die Säulen auf der rechten und linken Seite des Saales ahmen eine geschlossene Papyrusdolde nach. Das Naturvorbild für die Kapitelle der beiden mittleren, höheren Säulenreihen, die geöffnete Papyrusdolde. Diese Säulen sind also – wie bei der Taharka-Säule im Ersten Großen Hof bei der Ramses-Statue – nichts anderes als Abbildungen von Pflanzenstengeln.

Der Höhenunterschied zwischen den niedrigeren Seitenschiffen und den drei erhöhten Mittelschiffen wurde mit Außenwänden ausgeglichen. In diesen Wänden waren Fenstergitter eingebaut.

Richten Sie den Blick nach oben zu dem Mittelschiff: Dort können Sie Reste dieser originalen Fenstergitter noch erkennen. Vor allem aber gewinnen Sie hier einen sehr guten Eindruck von der ursprünglichen Farbigkeit der Dekoration dieser Säulen und übrigens auch der Tempelwände, die mit bunten, fast grell wirkenden Farben angemalt gewesen sind.

Ach-menu

Auch das Ach-menu oder der Festtempel des Thutmosis III. ist zu erwähnen, es trägt den altägyptischen Namen Men-cheper-Ra-ach-menu: „Herrlich an Denkmälern ist Men-cheper-Ra“ (Thutmosis III.) oder auch „Erhaben ist das Andenken des Men-cheper-Ra“. Neben diesen Namen ist auch noch die Bezeichnung Millionenjahrhaus zu finden, was darauf schließen lässt, dass der Tempel dem Kult des Königs in seiner Erscheinungsform des Amun-Re geweiht war.

Kiosk des Taharqa

Die architektonisch auffallende Festhalle wird aufgrund der Anordnung ihrer Säulen auch oft als Festzelt bezeichnet. Der höhere Mittelraum besteht aus zwei Säulenreihen mit je zehn Säulen und ist von niedrigeren Seitenschiffen mit insgesamt 32 Säulen umgeben.[8] Im Zugang zum Ach-menu befindet sich die sogenannte Königsliste von Karnak mit den Namen von insgesamt 61 Königen. Das Ach-menu liegt auf der Ost-West-Achse des Tempelbezirks, in der baulichen Anordnung wird allerdings auch die Nord-Süd-Achse berücksichtigt. Im hinteren Teil befinden sich die Sanktuare für die Götter Sokar (südlich) und Amun-Re (nördlich). Neben dem Festtempel des Thutmosis III. befindet sich der Kiosk des Taharqa.

Während der Restaurierung des dritten Pylons des Tempels, errichtet durch Amenhotep III., wurde Baumaterial der Weißen Kapelle, der Roten Kapelle und der Alabasterkapelle entdeckt.[3] Nördlich des Amun-Re-Tempels wurde im 20. Jahrhundert die Weiße Kapelle Sesostris I., das älteste erhaltene Bauwerk der Anlage und die Alabasterkapelle aus wiedergefundenem Baumaterial rekonstruiert. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde hier auch die Rote Kapelle der Hatschepsut wieder errichtet. Der dritte Pylon war ursprünglich etwa 98 Meter lang und etwa 14 Meter breit. Da er heute stark beschädigt ist, ist nur ca. ein Viertel seiner ursprünglichen Höhe von ca. 35 Metern erhalten.

Weiße Kapelle

Weiße Kapelle

Die Weiße Kapelle (auch Chapelle blanche) wurde in der 12. Dynastie durch Sesostris I. aus weißem Kalkstein errichtet. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk der Tempelanlage. Auf einem 1,18 Meter hohen Sockel befindet sich ein 6,54 × 6,54 Meter großer Kiosk, dessen Dach von vier mal vier Pfeilern getragen wird. Die Weiße Kapelle wurde als Barkensanktuar gebaut und diente somit bei verschiedenen Festlichkeiten als Stationskapelle für die Götterbarke. Die Weiße Kapelle stand wie die Rote Kapelle und auch die Alabasterkapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon. Die Kapelle wurde im Freilichtmuseum von Karnak wieder aufgebaut.

Rote Kapelle

Rote Kapelle

Die Rote Kapelle wurde durch Königin Hatschepsut in der 18. Dynastie errichtet. Ursprünglich stand die Kapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon. Später wurde die, als Barkensanktuar gebaute, Kapelle von Thutmosis III. abgerissen. Amenophis III. ließ die Blöcke als Füllmaterial für den dritten Pylon verwenden. Bei Restaurierungsarbeiten kamen 319 Blöcke aus schwarzem Granit und rotem Quarzit der Kapelle zum Vorschein. Aus diesem Material wurde die Rote Kapelle im Freilichtmuseum der Tempelanlage wieder errichtet.

Die Bildwerke der Roten Kapelle zeigen die Krönung der Hatschepsut, Opferszenen und die thebanischen Feste wie beispielsweise das Opet-Fest. Die Kapelle beherbergt damit auch die älteste Darstellung dieses Festes.

Alabasterkapelle

Alabasterkapelle

Die in der 18. Dynastie als Barkensanktuar von Thutmosis IV. errichtete Alabasterkapelle stand vermutlich wie die Rote- und Weiße Kapelle im Bereich zwischen dem dritten und siebten Pylon.

Tempel Ramses III.

Im Hof hinter dem ersten Pylon befindet sich auf der rechten Seite der Tempel des Ramses III. Er ist auch heute noch fast vollständig erhalten und in sehr gutem Zustand. Hinter einem Pylon mit zwei vorgelagerten Kolossalfiguren befindet sich der Festhof, an den Seiten gesäumt von jeweils acht Statuenpfeilern. Im Anschluss an den Hof folgt eine kleine Halle mit vier Statuenpfeilern. Daran schließt sich das Hypostyl mit zwei mal vier Säulen. Hinter dem Hypostl befinden sich drei Sanktuare, den Göttern Amun-Re, Mut und Chons geweiht. Auffallend ist die Ähnlichkeit mit dem Tempel C des Mut-Bezirkes.

Heiliger See

Heiliger See

Der heilige See hat eine Größe von 120 × 77 Metern und liegt südlich des zentralen Tempelgebäudes. Dieser See verfügt über keinerlei Zuleitungen, er wird nur durch das Grundwasser gespeist. Neben dem See befand sich ein kleines überdachtes Gänsegehege, das über einen Gang mit dem See verbunden war. Die Gänse waren die heiligen Tiere Amuns. Außerdem entnahmen die Priester das Wasser zum Waschen der Götterfiguren aus dem See.

Tempel der Opet

Der Tempel der Opet wurde zur Ptolemäerzeit durch Ptolemaios VIII. errichtet. Durch einen in einem Kiosk mit vier Säulen gelegenen Aufgang gelangt man durch das Tor des ersten Pylons in den ersten Hof. Im ersten Hof befindet sich ein weiterer Kiosk ebenfalls mit vier Säulen. Der zweite Hof liegt höher, so soll wohl der Urhügel dargestellt sein. Im hinteren Tempelteil gibt es ein unterirdisches Osirisgrab und eine Krypta, hier vollzog sich die Metamorphose des Gottes Amun-Re, der als Osiris stirbt, dann in den Körper der Ipet-weret-Nut eingeht und als Gott Chons wiedergeboren wird.

Tempel des Chons

Pylon des Chons-Tempels

Große Säulenhalle des Tempels

Der Tempel des Chons befindet sich am südlichen Rand im Bezirk des Amun, er ist ca. 80 Meter lang und 30 Meter breit. Der Tempel liegt dem Luxortempel genau gegenüber. Während der 20. Dynastie wurde der Tempel unter Pharao Ramses III. errichtet und später von Ramses IV., Ramses XI. und Herihor fertig gestellt. Hinter dem großen Eingangspylon befindet sich ein großer Säulensaal mit 28 Säulen. Daran schließt ein Hypostyl mit acht großen Säulen an und schließlich das Zentrum, die sogenannte Halle der Barke.

Tempel des Ptah

Tor im Ptahtempel

Der Tempel des Ptah liegt an der Nordwand des Amunbezirkes und war ursprünglich mit einer Mauer umgeben. Mit der Errichtung der großen Mauer um den Amunbezirk wurde der Vorhof zum Tempel in seiner Größe beschnitten. Ptolemaios III. errichtete den kleinen Pylon des Tempels, in diesem gibt es verschiedene Innenräume. Dem Pylon vorgelagert befindet sich ein kleiner Kiosk. Der Rest des Tempels wurde schon unter Thutmosis III. erbaut. Alle Tempelteile, die aus Stein errichtet wurden, sind vollständig erhalten.

Tempel Amenophis II.

Hinter dem zehnten Pylon befindet sich an der Ostseite der Tempel des Amenophis II. Über eine Rampe gelangt man in den Eingangsbereich, den eine offene Pfeilerhalle bildet. Hinter der Pfeilerhalle schließt sich ein quadratisches Hypostyl an. Nördlich und südlich des Hypostyls befinden sich weitere kleine Räume. Neueste Untersuchungen ergaben, dass nicht Amenhotep II. den Tempel in seiner jetzigen Form erbauen ließ, sondern dass Sethos I. den Tempel aus Baumaterialien eines abgerissenen Gebäudes von Amenhotep II. erbauen ließ.[18]

Bezirk des Month

Nördlich, direkt neben dem großen Bereich des Amun-Re befindet sich ein 151 × 155 m großer Bereich mit dem Tempelbezirk des Month. Die Umfassungsmauer stammt aus der Zeit Nektanebos I. Der eigentliche Tempel wurde von Amenhotep III. errichtet. Neben dem Tempel des Month befindet sich noch ein Tempel der Maat, ein Tempel des Harpare, erbaut von Taharqa und das außerhalb der Umfassungsmauer liegende Schatzhaus Thutmosis I. Der Tempel des Month öffnet sich in Richtung des ca. fünf Kilometer entfernten Month-Kultortes al-Madamud vom Tempeleingang führt eine Sphingenallee mit beidseitig je 30 Menschenköpfigen Sphingen zu einer, heute nicht mehr mit dem Wasser verbundenen, Kaianlage.

Bezirk der Mut

Statue der Sachmet im Mut-Bezirk

Etwa 350 m südlich des Amun-Re-Tempels liegt ein Bereich von ungefähr 250 × 350 Metern, der den Bezirk der Mut umfasst. Er war durch eine Sphingenallee, mit 66 Sphingen[4], mit dem Tempel des Amun-Re verbunden. Neben dem Tempel der Mut, der an drei Seiten von einem heiligen See umgeben ist, befinden sich noch Reste eines Geburtshauses Ramses II. für "Chonspachrod", eines Tempels Ramses III. und außerhalb der Mauer der Kamuteftempel. 1840 wurden die Tempel zum großen Teil abgerissen und als Baumaterial für eine Fabrik verwendet.

Tempel der Mut

Der Eingangspylon des Mut-Tempels wurde durch Sethos II. erbaut. Vor dem Pylon befanden sich zwei von Säulen getragene Schattendächer, erbaut durch Taharqa. Im Hof hinter dem ersten Pylon wird ein Säulengang durch beidseitig vier Säulen auf dessen Mittelachse gebildet. Durch das Tor im zweiten Pylon gelangte man in den Festhof, hier wird der Säulengang durch beidseitig fünf Säulen fortgeführt. In beiden Höfen standen einst Sitzstatuen der Göttin Sachmet. Hinter dem Festhof gelangte man in das Hypostyl dessen Decke ursprünglich von acht Säulen getragen wurde. Hinter dem Hypostyl schließt sich das Barkensanktuar an. Das Barkensanktuar war von mehreren Nebenräumen umgeben. Durch das Barkensanktuar gelangte man in den Pronaos, einem Vorraum zum Heiligtum. Das Heiligtum des Tempels besteht aus drei Kultbildnischen. Gegen die Rückwand des Tempels errichtete Ptolemaios II. einen Gegentempel. Der Tempel wurde 1840 größtenteils abgerissen.

Tempel A

Tempel A befindet sich östlich vom Mut-Tempel, rechts vom Haupttor direkt hinter der Umfassungsmauer. Der Tempel A wurde nach Dieter Arnold durch Ramses II.[21] erbaut, nach Paul Barguet durch Thutmosis IV.[23] Der erste der drei Pylone wurde aus Nilschlammziegeln errichtet. Zwei dort befindliche Statuen tragen den Namen Ramses II. wurden aber vermutlich usurpiert. Im zweiten Pylon wurden Steinblöcke aus der 18. bis 22. Dynastie wiederverwendet. Der dritte Pylon ist wieder Ramses II. zuzuordnen, die Dekorationen stammen aus seiner Zeit. Auch bei der Bedeutung des Tempels gibt es verschiedene Ansichten. Nach Daumas handelt es sich um ein Barkensanktuar Chonspachrod (Chons dem Kind) geweiht,[24] nach Arnold handelt es sich um ein Geburtshaus für Chonspachrod. Die wenigen erhaltenen Malereien und Reliefs lassen leider keine genauere Bestimmung zu.

Tempel C

Westlich des Heiligen Sees, auch Ischeru oder Ascheru genannt, liegt der sogenannte Tempel C. Ramses III. ließ den, Amun, Mut und Chons geweihten, Tempel in der 20. Dynastie errichten. Zwei monumentale Statuen von Ramses III. säumten ursprünglich den Eingang im ersten Pylon des Tempels. Im, hinter dem ersten Pylon befindlichen, Festhof standen jeweils auf der rechten und linken Seite acht Statuen. Über eine Rampe gelangte man am Ende der Festhalle in eine kleine Säulenvorhalle zum Hypostyl, dessen Decke von vier Säulen getragen wurde. An beiden Seiten des Hypostyls waren je drei Magazinräume angelegt. Durch das Hypostyl gelangte man in einen Vorraum, dem angeschlossen die drei Sanktuare folgten. Der Tempel ist stark zerstört, Ramses III. konnte aber aufgrund des Papyrus Harris I als Erbauer eindeutig identifiziert werden.

Tempel des Kamutef

Kamutef-Tempel

Der durch Hatschepsut erbaute Kamuteftempel steht nordöstlich unmittelbar vor dem ummauerten Tempelbezirk der Mut, an der 330 Meter langen Sphingenallee mit beidseitig 66 Sphingen. Das steinerne Tempelhaus ist ca. 38,5 × 48,5 Meter groß. Das Tempelhaus war mit einer Ziegelmauer umgeben, die sich in einem Pylon zur Sphingenallee öffnete.[26] Thutmosis III. versuchte später sämtliche Hinweise auf die ursprüngliche Erbauerin zu vernichten, aber die Reliefs lassen erkennen, dass Hatschepsut verantwortlich für die Anbringung war.

Gem-pa-Aton

Restaurierte Talatat-Blöcke aus dem Gem-pa-Aton

Östlich des Amun-Bezirkes befand sich ein Aton-Heiligtum (altägyptisch Gm-p3-Jtn, „gefunden ist der Aton“), das von Echnaton vermutlich im Jahr 6 seiner Regierung erbaut wurde. Der Atontempel war ca. 130 × 200 Meter groß, zu der damaligen Zeit war er damit größer als der Tempel des Amun. Echnaton veranlasste die Schließung der anderen Tempel in Karnak und erhob den Sonnengott Aton zum alleinigen Gott. Nachdem spätestens unter Haremhab wieder die ursprünglichen Verhältnisse hergestellt wurden, wurden die anderen Tempel Karnaks wiedereröffnet und das Gem-pa-Aton vollständig abgerissen. Zehntausende der Talatat-Blöcke wurden in den Bauten von Haremhab und seinen Nachfolgern als Füllmaterial wieder benutzt und sind deshalb gut oder sehr gut erhalten geblieben. Diese Blöcke wurden überwiegend für die Pylone 2, 9 und 10 verwendet. Im Museum von Luxor sind einige hundert dieser Blöcke restauriert und wieder zusammengefügt worden.

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